Aktuelle Podcast Episode

"Kultur beginnt im Herzen jedes Einzelnen"

- Johann Nepomuk Nestroy -

Dienstag, 14. November 2023

Europe

Mehr als " The Final Countdown "             

1979 in Upplands Väsby  in Schweden von Sänger Joey Tempest ,  Gitarrist John Norum ,  Schlagzeuger Tony Reno und Bassist Peter Olsson als  " Force "  gegründet ,  benannte sich die heute weltweit bekannt Band im Rahmen der Teilnahme an einem Talentwettbewerb 1982 in  " Europe "  um .  War zuvor bereits 1981 Bassist John Levén als Ersatz für Olsson eingestiegen ,  ergänzten die ebenfalls noch heute aktiven Europe - Mitglieder Mic Michaeli  ( Keyboards )  und Schlagzeuger Ian Haugland  ( als Ersatz für Reno )  1984 die Gruppe .  Als Sieger des Talentwettbewerbs 1982 erhielten Europe einen Plattenvertrag beim schwedischen Plattenlabel  " Hot Records "  und veröffentlichten 1993 ihr gleichnamiges Debutalbum ,  dem 1994 das zweite Album  " Wings Of Tomorrow "  folgte ,  welches der Band in Japan zum Durchbruch verhalf .  Ende 1985 wechselte die Band ihr Label hin zu Epic Records und veröffentlichte 1986 das Erfolgsalbum  " The Final Countdown "  mit der gleichnamigen Single ,  die in 26 Staaten Platz 1 der Hitparade einnahm und innerhalb von zwei Jahren ca. 7,8 Millionen Mal verkauft wurde .  John Norum verlies im Anschluss ,  aufgrund der Vormachtstellung von Joey Tempest ,  die Band und wurde durch Kee Marcello ersetzt .  In dieser Konstellation schrieb die Band im Winter / Frühjahr 1987 / 88 das Nachfolgealbum  " Out Of This World "  mit Songs wie  " Superstitious " ,  "Open Your Heart "  oder  " Let The Good Times Rock "  die alle nicht an den Megaerfolg von  " The Final Countdown "  heranreichen konnten  -  das Album verkaufte sich nur knapp 2 Millionen mal .  Auch das 1991 mit Beau Hill produzierte  " Prisoners In Paradise "  floppte ,  die Zuschauer*innen - Zahlen bei den Livekonzerten nahmen drastisch ab und sowohl der fehlende nächste Hit als auch der Imagewechsel von den hart rockenden Jungs hin zur Pop - Rock - Band wurden als Gründe des Popularitätsverlustes ausgemacht . 

Die Hard Rock Basis wendete sich zwangsläufig von der Band ab und diese löste sich schließlich 1992 auf .  Die Musiker widmeten sich im Anschluss Solo - Alben,  gründeten eigene Bands  ( Kee Marcello  " Red Fun " ,  Ian Haugland  " Trilogy " )   oder nahmen in anderen Konstellationen mit Musikern wie Glenn Hughes oder Nikolo Kotzev Platten auf .  Erst Ende 1999 / 2000 traten Europe beim Neujahrskonzert in Stockholm erstmals wieder ,  mit Norum und Marcello an den Gitarren ,  gemeinsam auf .  2004 kam es dann zur Reunion von Europe und mit  " Start From The Dark "  erschien im gleichen Jahr das Comeback - Album welches außerhalb Schwedens aber kaum Beachtung fand .   " Secret Society "  ( 2006 ) ,  " Last Look At Eden "  ( 2009 )   und  " Bag Of Bones "  stellten die nächsten Studioveröffentlichungen dar .  Das  " Donauinselfest "  2011 in Wien vor über 80000 Fans und das  " Sweden Rock Festival "  2013  ( im Rahmen des dreißigjährigen Jubiläums der Band )  mit den Gästen Scott Gorham und Michael Schenker stellten dabei besondere Live - Ereignisse dar und letzteres ist auf der  " Live At Sweden Rock "  ( 2013 ) CD nach zu hören . 














Die seit vielen Jahren live aktive Band hat mit  " Almost Unplugged "  ( 2008 )  und  " Live At Shepherd`s Bush , London "  ( 2011 )  noch weitere  Liveaufnahmen zu bieten und weist damit immer wieder ihre Livequalitäten nach .  Mit  " War Of Kings "  ( 2015 )  und  " Walk The Earth "  ( 2017 )  hat die Gruppe in den letzten Jahren ihre Entwicklung zu einer  " erwachsenen "  und  " ernsthaften "  Version von Europe endgültig vollzogen und weiß weiterhin live zu überzeugen .  

Freitag, 10. November 2023

Steve Vai " Gash "

LP-Kritik Steve Vai  " Gash " ,  Mascot           


Mit  der bereits im Jahr 1991 aufgenommenen und jetzt als  " Gash "  veröffentlichten CD / LP  zollt ( Hard - )  Rock - Gitarren - Zauberer Steve Vai  ( ehemals Gitarrist bei Frank Zappa  /  Alcatrazz /  Whitesnake  /  David Lee Roth )  seinen ehemaligen Freund ,  Motorradkumpel  und Mitstreiter Johnny  " Gash " Sombrotto ,  der 1998 bei einem Motorradunfall ums Leben kam ,  späten Tribut und zeigt ,  welch`  großartiger Sänger  " Gash "  war .  Mit seiner kraftvollen und ausdrucksstarken Stimme veredelt dieser die 8 Songs bei einer Laufzeit von leider nur 30 Minuten und lässt erahnen ,  was da an toller Musik mit dem Sänger noch hätte folgen können .  Musik als Ausdruck für das Lebensgefühl der Biker beim Motorrad fahren geschrieben ,  verbreiten die im Classic - Rock angesiedelten Songs ,  bei denen sich Vai hörbar weniger verkopft und Gitarrentechnisch anspruchsfreier  ( " frickelfrei " )  zeigt ,  enorm viel Spaß .  Direkt im Anschluss nach dem Ausstieg bei Whitesnake und vor dem ersten Soloalbum  " Sex & Religion "  geschrieben sind auch ,  ähnlich wie später bei Kid Rock ,  auch gerne einmal Countryeinflüsse zu hören und die Songs erinnern teilweise an das gemeinsame Schaffen mit David Lee Roth .  Lebensbejahendes in  " She Saved My Life Tonight " ,  berauschende Geschwindigkeitsgefühle  in  " In The Wind "  oder  ruchlose Aktivitäten in  " Busted "  werden so musikalisch eingängig vertont und mit kratziger , bluesiger und emotionaler Stimme vorgetragen .  Wunderschön auch im groovigen  " Danger Zone "  nachzuhören .  Top Rock der 90er Jahre ! 

Mittwoch, 8. November 2023

Bonfire 02.11.2023

 Konzert-Kritik Bonfire  02.11.2023 ,  " Rex "  Bensheim   

Donnerstag Abend im "Kulturdenkmal Güterhalle - Musiktheater Rex "  in Bensheim .  Die 1973 als Cacumen in Ingolstadt gegründete und 1987 in  " Bonfire "  umbenannte Band ,  um den letzten verbliebenen Ur - Gitarristen Hans Ziller ,  sind heute zu Gast um ihre neue Version der Gruppe zu präsentieren . 

Doch bevor die mit internationalen Musikern gespickte Band die Bühne betritt eröffnet die Coverband Cherry Bomb den musikalischen Rockabend vor knapp 300 Zuschauer*innen .  Dabei präsentiert die Band um Frontmann Chris P. Nutzz Songs von u.a. Journey , Mötley Crüe ,  Def Leppard ,  Poison oder Billy Idol und schafft es bei einer Spielzeit von 30 Minuten die Anwesenden ,  auch mit tollen Gitarrensoli von Vince Vixxen ,  inklusive Outfit und Frisuren ( Perücken ) der 80er Jahre gut zu unterhalten und für den Headliner dementsprechend anzuwärmen .  Im Dezember sind sie noch einmal als Vorgruppe von Sainted Sinners an gleicher Stelle zu erleben . 

Nach einer sehr schnellen Umbaupause von 15 Minuten legen schließlich ,  nach einem eingespielten Intro  ( " The Rising " ) ,  Bonfire aus Ingolstadt los .  Hans Ziller  ( Gitarre ) ,  Dyan Mair  ( Gesang ) ,  Frank Pané  ( Gitarre ) ,  Ronnie Parkes  ( Bass )  und Fabio Allesandrini  ( Schlagzeug )  zeigen von Beginn an ,  wie die neue Version der inzwischen 36 jährigen Bandhistorie aussieht .  Schnelle und harte Gitarren ,  gepaart mit dem  " Shouter - Organ "  des neuen griechischen Sängers Dyan Mair ( natürlich ein Künstlername )  angetrieben vom pumpenden Bass des Amerikaners Ronnie Parks  ( laut Ziller die neben ihm am längsten in der Band befindliche Person - seit 2014 )  und dem Rhythmus des italienischen Schlagzeugers Fabio Allesandrini stellen die aktuelle Marschrichtung der Band dar .  Musikalischer Mittelpunkt sind dabei Ziller und Panè  ( " Sainted Sinners " )  an den Gitarren ,  die mit tollen Soloeinlagen den Songs einen rockigen und metallischen Einschlag verpassen .  Lustige , in bayrischem Zungenschlag geführte ,  Ansagen von Ziller ( der dies laut eigener Aussage zum ersten Mal seit über 40 Jahren auf der Bühne macht )  sorgen für einige Lacher bei Bandmitgliedern und Publikum und hinterlassen speziell auf Mairs Gesicht oftmals die Frage ,  ob Ziller ihn gerade etwa veräppelt und Geschichten über ihn erzählt hat .  

Die 2023er Tour steht unter dem Motto  " The Origin Tour "  ( eine Idee von Bassist Ronnie Parkes ) und beschäftigt sich mit den Ursprüngen der Band nach der Umbenennung von Cacumen in Bonfire im Jahr 1986 .  So werden heute die drei erfolgreichsten Alben der Anfangszeit  " Don`t Touch The Light " ( 1986 ) ,  "Fireworks "  ( 1987 )  und  " Point Blank "  ( 1989 ) ,  die mit dem neuen Sänger eben jenen modernen , harten Anstrich verpasst bekommen haben und dementsprechend auch neu eingespielt wurden ,  präsentiert .  Manch` alte/r Anhänger*in ist davon zwar nicht sehr erfreut ,  die Anwesenden an diesem Abend feiern den neuen Stil und die Songs allerdings gebührend ab und davon werden reichlich geboten .  " Starin` Eyes " ,  " Hot To Rock " ,  "Never Mind " ,  " Fantasy " ,  "Bang Down The Door " ,  " Hard On Me " ,  " Don`t Get Me Wrong " ,  " Who`s Foolin`Who "  ( als akustische Ballade ) ,  " Tony`s Roulette " ,  " Sword And Stone " ,  "Longing For You " ,  S.D.I. " ,  " Sweet Obsession "  ( mit witziger ,  falscher Ankündigung durch Bassist Ronnie Parkes ) ,  " American Nights " ,  " Champion " ,  " Ready 4 Reaction "  sowie die beiden Zugaben  " You Make Me Feel "  und  " Don`t Touch The Light " kommen zur Aufführung und lassen das Publikum enthusiastisch mitsingen und mitklatschen . 

 









 

 

Gitarren -  und Schlagzeug - Soli lockern die Songs zusätzlich auf ,  ein weiterer Hinweis von Hans Ziller zu seinem Buch ( die Geschichte von Bonfire und seine eigene Lebensgeschichte )  und nach einer Zugabe ist nach 105 Minuten Spielzeit endgültig Schluss im wieder sehr gemütlichen , relaxten sowie  freundlichen Personal gespickten Rex und macht Lust auf mehr und weitere  " Classic - Hard Rock - Metal - Events "  in naher Zukunft mit u.a.  Geoff Tate ,  Sainted Sinners und China .  


Montag, 6. November 2023

Eclipse

 Schwedischer Melodic - Rock  aus Stockholm       

Die 1999 in Stockholm  ( Schweden )  von Gitarrist / Bassist und Sänger Erik Martensson sowie  Schlagzeuger und Keyboarder Anders Berlin gegründete Band Eclipse ,  zählt seit nunmehr über 20 Jahren zu einer der schwedischen Bands ,  die mit inzwischen 10 Studioproduktionen  ( " The Truth And A Little More "  2001,  " Second To None "  2004 ,  " Are You Ready To Rock "  2008 ,  " Bleed & Scream "  2012 ,  " Are You Ready To Rock MMXIV "  2014 ,  " Armageddonize "  2015 ,  "Monumentum "  2017 ,  " Paradigm "  2019 ,  " Wired "  2021  und  " Megalomanium "  2023 )  konstant hochklassige , eingängige ,  kraftvolle und melodische Rockmusik mit starken  " Hooklines "  abliefert .  Gemeinsam mit Gitarrist Magnus Henriksson ,  der ebenfalls seit 1999 zur Band gehört ,  sind die starken Kompositionen von Martensson  (  ebenso mit Nordic Union und W.E.T. )  ,  seine einzigartige Stimme ,  der treibende Groove sowie die starke Gitarrenarbeit aber auch die Livepower mit wunderschönen Chorgesängen Markenzeichen der Band .   Heute gehören neben Martensson und Henriksson noch die Brüder Victor am Bass und Philip Crusner am Schlagzeug zur sympathischen und auch in Texten über den Tellerrand blickenden Gruppe dazu .  Aktuell war die Band gerade mit ihren Landsleuten  H. E. A. T.  auf Deutschlandtour .  

Samstag, 4. November 2023

Harald Gilbers " Germania "

 Buch-Kritik Harald Gilbers  " Germania " ,  Knaur        

Berlin 1944 .  Der aufgrund seiner jüdischen Abstammung entlassene Kommissar Richard Oppenheimer wird plötzlich von der SS reaktiviert .  Zwischen Bombenangriffen und der steten Angst der Verschleppung soll Oppenheimer bei der Aufklärung von brutalen Morden an Frauen in der zerbombten Reichshauptstadt mithelfen .  Nach einem Bekennerschreiben als linientreuer Nazi ausgewiesen ,  sind die Opfer des / der Mörder*in alle in Verbindung mit der NSDAP zu finden  ( was den Machthabern nicht recht ist ) .  Erst nach langen ,  mühsamen Nachforschungen über das  " erste "  Opfer erhält Oppenheimer Kenntnis von bereits zwei vorherigen Toten ,  die auf das Konto des gleichen Täters gehen .  Unter der Führung von SS - Mann Vogler und Oppenheimers Freundin Hilde muss er zwischen Luftangriffen der Alliierten und Dekaden auf Seiten der NSDAP - Oberen ,  Verblendung ,  Propaganda ,  Desinformation und steter Angst versuchen den Serienmörder zu fassen .  Oder soll er gar nicht gefunden werden ?  Und was passiert mit dem Kommissar und seiner Frau nach der Aufklärung der Mordfälle ?  Muss Oppenheimer zurück ins  " Judenhaus "  oder droht ihm sogar weit schlimmeres ?  Ein von Autor Harald Gilbers  ( geb. 1969 in Moers )  mit viel Einfühlungsvermögen ,  eindringlichen Beschreibungen und einer greifbaren Atmosphäre geschriebener Kriminalroman im Berlin des Jahres 1944 ,  der das bedrückende Gefühl und die stete Gefahr des Todes durch Bomben oder Nazis für die Hauptperson auf der einen Seite spüren lässt ,  auf der anderen Seite aber auch die akribische und  verbissene Arbeit und den Berufsethos des Kommissars darstellt ,  der den Täter um jeden Preis fassen möchte .  Toller Auftaktroman zur Reihe um Kommissar Oppenheimer ,  seine Frau Lisa und seine Freundin Hilde .  Für Freund*innen der Gereon Rath Krimis von Volker Kutscher geeignet .  

Donnerstag, 2. November 2023

Girlschool " WTFortyFive ? "

CD-Kritik Girlschool  " WTFortyFive ? " ,  Silver Lining              

Wenn eine Band wie Girlschool ,  eine der weiblichen Bands der 80er NWoBHM ,  nach 45 Jahren im Geschäft ein Album wie  " WTFortyFive ? "  veröffentlicht und auch heute noch die Hard Rock - Metal - Punk Attitude der Anfangsjahre zelebriert ,  kann man als Fan einfach nur den Hut ziehen .  Die 4 Ladys aus London haben dabei 12 Songs im Gepäck ,  die alle Merkmale der Band rund um Sängerin und Gitarristin Kim McAuliffe ,  Schlagzeugerin Denis Dufort ,  Bassistin Tracey Lamb und Gitarristin / Backgroundsängerin Jackie Chambers aufweisen .  Sei es das hart rockende ,  rotzige und leicht punkige Eröffnungsstück  " It Is What It Is "  mit pumpendem Bass und Gangshouts im Refrain  ,  der rollende und treibende Midtempo - Rocker  " Cold Dark Heart "  oder der rotzige ,  freche  Punk `N ` Roll in  " Barmy Army " .  Der flotte ,  eingängige und mit toller Sologitarre ausgestattete  " Invisible Killer " ,  der  " schwere "  Rocker mit leichtem AC/DC bzw. Twisted Sister - Hauch  " Believing In You "  oder der mit einer schönen Melodie ausgestattete Rocker  " It`s A Mess "  folgen und zaubern so ein Lächeln ins Gesicht des / der geneigten Hörer*in .  Der gerade aus nach vorne gehende ,  mit starker Gitarre bestückte und sicher bei Livekonzerten zum Mitsingen animierende  Song " Into The Night "  folgt im Anschluss ,  bevor mit Gitarrist Joe Stump  ( " Reign of Terror " )  " Are You Ready ? "  sowie zum Abschluss beim Motörhead - Cover   " Born To Raise Hell "  Saxon - Sänger Biff Byford ,  ex - Motörhead Gitarrist Phil Campbell und Guns `N Roses - Bassist Duff McKagan sich zum musikalischen Stelldichein  einfinden .  " Up To No Good "  und  " Party "  zeigen die Rockerinnen dazwischen agil ,  frech und immer noch  " frisch von der Strasse " .  So muss das auch  nach 45 Jahren  " on the road "  noch sein !  Hut ab !!!