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"Kultur beginnt im Herzen jedes Einzelnen"

- Johann Nepomuk Nestroy -

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Mittwoch, 7. Januar 2026

Ulrich Ritzel " Nadjas Katze "

 Buch-Kritik Ulrich Ritzel  " Nadjas Katze " ,  btb

Die pensionierte Freiburger Deutschlehrerin Nadja Schwertfeger findet auf der Suche nach Romanen von unbekannten Schriftsteller:innen in einem Antiquariat ein schmales Heftchen des Autors Paul Anderweg mit dem Titel  " Die Nachtwache des Soldaten Pietzsch " .  Darin wird die Nacht des 19. April 1945 und eine selbstgenähte schwarze Stoffkatze beschrieben ,  ein Einzelstück ,  die der aktuell im Besitz von Nadja Schwertfeger befindlichen Katze gleich erscheint.  Was hat es mit dieser Katze ,  dem schwäbischen Dorf in dem die Kurzgeschichte von Anderweg spielt und ihrer persönlichen Geschichte ,  als Adoptivkind ,  auf sich ?   Zunächst stellt Nadja und ihre Freundin Wally selbst Nachforschungen an ,  sucht sich dann aber Unterstützung beim Berliner Privatermittler Hans Berndorf .  Dieser war selbst als Kind Bewohner des kleinen Dorfes Wieshülen ,  dem Ort in dem die Geschichte spielt .  Auch er hat ein persönliches Interesse an der Aufklärung dieser Geschichte und so stellen die Beiden sehr gegensätzlichen Personen weitere Nachforschungen nach Anderweg  -  war das sein richtiger Name  -  seiner Herkunft und Lebensgeschichte an .  Erinnerungen von Zeitzeug:innen werden zusammen getragen ,  weitere Kurzgeschichten entdeckt und die Geschichte(n) des Kriegsendes 1945 mit einem überraschenden Ende  " aufgeklärt " .  Autor Ulrich Ritzel nimmt uns in seinem ersten Roman um den ehemaligen Polizisten und heutigen Privatermittler Hans Berndorf mit auf die Reise in dessen Lebensgeschichte und der seiner Klientin .  Sehr spannend wird die mühselige Suche nach kleinsten Anhaltspunkten aus einer Zeit beschrieben ,  von der vieles unbekannt ,  verschollen,  vertuscht und verschwiegen ist .  Zeitzeugen leben oftmals nicht mehr und doch wird das Bild im Laufe der Geschichte von Hans und Nadja langsam klarer und mit einem kleinen Cliffhanger aufgelöst .  Die charakterlichen Unterschiede und Spannungen der beiden Hauptpersonen werden dem / der Leser:in spürbar näher gebracht und vermitteln so das Gefühl persönlich anwesend zu sein .  Eine tolle ,  andere  " Detektivgeschichte "  bei der es ein oder mehrere Rätsel zu lösen gilt .    


Dienstag, 15. März 2022

Paul Brannigan " Eddie Van Halen "

 Buch-Kritik  Paul Brannigan  " Eddie Van Halen - Ein Leben " ,  Ullstein                    

Auf 300 Seiten beschreibt der englische Autor und Musikjournalist Paul Brannigan in seiner Biografie des mit 65 Jahren viel zu früh verstorbenen " Gitarren - Superstars "  Eddie Van Halen das Leben des in den Niederlanden geborenen und in jungen Jahren ( 1962 )  mit seiner Familie nach Amerika ausgewanderten Gitarreninnovators Edward Lodewijk van Halen .  Gemeinsam mit seinem Schlagzeugspielenden Bruder Alex gründete er  Mitte der 70er Jahre die nach ihm und seinem Bruder benannte Band Van Halen.  Drogen und Alkohol begleiteten ihn stets auf seinem Weg und sorgten schließlich auch immer wieder für Konflikte und zum Teil fragwürdigen Entscheidungen in beruflichen  und familiären Fragen . Erfolg(e) und Anerkennung auf der ganzen Welt , Auftritte in ausverkauften, riesigen Hallen und  Millionen von verkauften Platten begleiteten den als herzensguten Menschen beschriebenen Musiker genauso ,  wie selbstzerstörerische und verstörende Aktionen eines musikalischen Genies ,  der trotz zahlreicher Entzüge die Dämonen Alkohol und Drogen nie richtig in den Griff bekam .   

Donnerstag, 3. Februar 2022

Huttenlocher / Schwaigert " Potzblitz "

Buch-Kritik Huttenlocher / Schwaigert  " Potzblitz " ,  Unsichtbar Verlag              























In dem von Marc Huttenlocher und Sebastian Schwaigert zusammengestellten Buch  " Potzblitz "  vereinen sich 28 kleine , persönliche Geschichten von Mitgliedern und Musiker*innen solcher  Bands wie den  " Donots " ,  " Die Toten Hosen " ,  " Madsen " ,  " Killerpilze "  oder " Radio Havanna " .  Aber auch  Solokünstler*innen wie der  " Weiherer " ,  Oliver Uschmann oder Tomas Tulpe beschreiben ihre persönlichen Erfahrungen mit oder neben der Popmusik sowie Einschätzungen ,  was es einmal gab ,  wie sie mit Musik in Berührung gekommen sind und was es ihrer Ansicht nach vielleicht bald nicht mehr geben wird.  Locker geschriebene Texte die man aufgrund ihrer überschaubaren Länge von jeweils 5 - 10 Seiten sehr schön zwischendurch  lesen kann.  Eben  " eine Sammlung prägender Momente mit Popmusik " .  Ein zweiter Band mit Liebeserklärungen an den persönlichen  " Live - Club "  ist im gleichen Verlag aktuell erschienen und unterstützt mit den Einnahmen die  " Live - Club - Szene " .

Dienstag, 27. August 2019

T.C. Boyle "Drop City"

Buchkritik T.C. Boyle "Drop City" , dtv

Pünktlich zum 50. Geburtstag des Woodstock Festivals kann man sich dieses 2003 erschienene Buch des amerikanischen Schriftstellers T.C. Boyle, zu einer Hippiekommune der 70er Jahre, welche von Kalifornien nach Alaska zieht, zu Gemüte führen und eine Idee davon bekommen wie es "vielleicht" in dieser Zeit wa(h)r. "Sex and Drugs and Rock`n`Roll", auch heute noch geflügelte Worte in der Rockmusikszene, nahmen damals vielleicht genau so ihren Anfang. Aber nicht Alles war so rosig wie es heute gerne und oft überliefert und verklärt wird.


Neben freier, ungezwungener Liebe gab es eben auch Gewalt, erzwungenen Sex und Konventionen die zu erfüllen und für ein miteinander leben "notwendig" waren - stereotype Geschlechterrollen mit klassischen Aufgabenzuteilungen inklusive!

T.C. Boyle, gefeierter Gegenwartsautor der amerikanischen Schriftsteller - Szene, der dem historischen Roman wieder zu neuem Ansehen verholfen hat, wurde 1948 in Peekskill, New York geboren und mit dem "PEN/Faulkner Award" 1988 sowie dem "Rea Award For The Short Story" 2014 ausgezeichnet. T.C.Boyle besitzt einen Doktortitel (Ph.D.) in englischer Literatur des 19. Jahrhunderts und darf John Irving als Mentor nennen. "Drop City" ist Boyles neunter Roman.

"Drop City  setzt zwei ganz unterschiedliche Gesellschaften gegeneinander: Eine Hippiekommune in den ausgeflippten 70ern – Boyle hat hier eigene Erfahrungen (auch mit Drogenkonsum) verarbeitet – und andererseits eine Trappergesellschaft in Alaska, die aus der Zeit der Grenzlanderoberungen übrig geblieben zu sein scheint. Was allerdings beiden gemeinsam ist, ist neben der Ablehnung spießbürgerlicher Gesellschaft die klassische Rollenverteilung: Kochen ist auch bei den Hippies Frauenaufgabe, die Beschaffung notwendiger Güter und der Hüttenbau Männersache. Als sich die Hippies von Kalifornien in die Einsamkeit Alaskas flüchten, sind diverse Katastrophen vorbestimmt. Hier zeigt sich auch wieder Boyles Vorliebe für die Außenseiter der Gesellschaft." (Zitat aus dem Wikipediaeintrag zu T.C.Boyle)

Ein wirklich toller Roman, der mit dem Mythos der "immer freien, friedvollen, selbstlosen Hippiezeit" aufräumt und zeigt, dass wo immer Menschen involviert sind "Gut und Böse", "Selbstlosigkeit und Egoismus" sowie "Macht und Ohnmacht" im Spiel sind - ganz egal welches altruistische d.h. selbstlose und uneigennützige Miteinander propagiert wird. 

Montag, 26. November 2018

Aldous Huxley "Schöne Neue Welt"

Buchkritik Aldous Huxley "Schöne Neue Welt", Fischer Verlag

Der Roman "Schöne Neue Welt" von Aldous Huxley, im Original "Brave New World" ist ein
dystopischer Roman, der im Jahr 1932 erschien. Er beschreibt eine Welt bzw. deren Gesellschaft
im Jahr 2540 n.Chr. mit ihrer Einteilung der Menschen in Kasten.
Hier werden Menschen in Laboren gezüchtet, physisch manipuliert und mental indoktriniert.
Es gibt eine Zentrale für Brut- und Normaufzucht in der die Embryonen je nach Bedarf unterschiedlich behandelt und für die unterschiedlichen Kasten als Nachschub erzeugt werden.
In seiner totalitären Diktatur wird die Regierung durch Alpha-Plus Menschen - Kontrolleure die wie Idole verehrt werden - gebildet. Durch die Befriedigung durch Konsum, Sex und Drogen wird kritisches Hinterfragen und Denken der Weltordnung verhindert.


Zu diesem Klassiker der Literatur gibt es hunderte Beschreibungen und Abhandlungen sowie Interpretationen. Sicherlich kompetentere und schlauere als ich sie hier an dieser Stelle liefern könnte - weshalb ich es auch erst garnicht versuchen möchte - nur soviel:
es ist faszinierend wie Aldous Huxley bereits 1932 - ähnlich wie später Georg Orwell mit "1984" - eine Welt entworfen hat, in der sich vieles der heutigen Zeit wieder findet. Man kann schon Angst bekommen wie diese Gesellschaft funktioniert und von "Menschenhand" gemacht und manipuliert worden ist. Parallelen zu heutigen Gegebenheiten zu entdecken und daraus seine Schlüsse zu ziehen macht diesen Roman so spannend zu lesen. Meine Befürchtung der komplizierten Sprache und Formulierungen war nicht begründet und diese besondere Ausgabe (handgroß) macht es zusätzlich möglich dieses Buch immer und überall dabei haben zu können um darin zu lesen und zu staunen. Ein Klassiker der zumindest mir sehr viel Spaß gemacht hat. Lesenswert!