Der Darmstädter ist ein strenger Sound-Ästhet und weiß genau, wie seine
Lieder klingen sollen. Um das Beste aus jedem Song zu kitzeln, holt er
sich gelegentlich Verstärkung ins Boot: Musiker aus aller Herren Genres,
manche kennt Perschya Chehrazi schon sein halbes Leben. Sie sorgen für die
nötige Dynamik, für noch präziser gesetzte Höhen sowie Tiefen und
verleihen Perschya (Singer/ Songwriter) Mentalität ein gewisses
Etwas, das vor allem live perfekt ausgeschöpft wird.
Hip-Hop
und Rock vertragen sich nicht besonders – zumindest darin sind sich die
Anhänger der beiden Musikstile einig. „Denkste“, dachten sich die fünf
Jungs von „Wortblind“ 2011. Seit vier Jahren bespielt die Darmstädter
Rap-Rock-Formation nun schon die großen und kleinen Bühnen der Republik
und war jetzt im „Striedkultklub“ (SKK) im Wolfskehler Bürgerhaus zu
Gast.
Das
musikalische Pendel der Gruppe schlug dabei eindeutig in Richtung
Indie-Rock beziehungsweise Alternative aus, begleitet vom kraftvollen,
variantenreichen Rap von Sänger Stephan Zimmermann. Und das fernab von
jedem Gangster- und Ghettoimage, das einen Großteil der deutschen
Rapszene durchzieht. Die ausnahmslos deutschen Texte der fünf
Darmstädter handelten dagegen von Alltagsthemen – wie sollen wir leben,
wie sollen wir handeln, wo und was ist der Sinn im Leben. Kein dreckiger
„Battlerap“ von der Straße also, sondern tiefsinnig-nachdenkliche Texte
zu Fragen, die sich wohl jeder schon einmal gestellt hat.
Wer aber
wie einst Immanuel Kant die Frage stellt „Wie sollen wir leben?“, muss
darauf auch eine Antwort geben. Bei „Wortblind“ lautete sie: „Unsere
Zukunft ist jetzt“ – ein starkes Statement getreu dem Motto: Der beste
Zeitpunkt, um etwas anzufangen, ist jetzt. Andere Lieder behandelten die
Suche nach Gewissheiten in einer Zeit immer größer werdender
Unsicherheit, etwa in „Noch lange nicht angekommen“.
Bei
„Schocktherapie“ kam im Anschluss wieder die härtere Seite von
„Wortblind“ zum Vorschein. Der Titel war dabei Programm, wenngleich der
Song im Original noch ein wenig energiegeladener und brachialer
einschlägt. Denn wie im Striedkultklub üblich, trat die Band mit einem
reduzierten, akustischen Set auf. Solche Auftritte seien immer eine
kleine Herausforderung, verriet Sänger Zimmermann dem Publikum, machten
dafür aber auch richtig viel Spaß.
„Wir
testen jetzt mal, wie leise ihr sein könnt“, bat er das Publikum im
Anschluss. Eine Bitte mit Hintergedanken: Denn beim letzten Song
animierte er die rund 20 Gäste in der ehemaligen „Dusch“ des Wolfskehler
Bürgerhauses dazu, den Refrain so laut mitzusingen, wie sie nur
konnten: „Du bist nicht allein“.
„Die
Texte erinnern mich an die von Bands aus den 1970ern“, meinte Stammgast
Hubert Rabel im Anschluss an den Auftritt. „Das war mal was völlig
anderes“, freute sich ein anderer Konzertbesucher, der sich sogleich in
ein intensives Gespräch mit den Musikern vertiefte.
Hier ist unser Livevideo von den Jungs aus Darmstadt mit dem Track "Du bist nicht allein". Alle weiteren Infos zu den Jungs findet ihr auf der Seite der Band Wortblind.
Als erste Band im Jahr 2015 spielt die Lokale Band "Molly Alone" bei uns im StRiedKULT-Klub in Wolfskehlen-Riedstadt.
„Are you ready for some damned bloody Pubsongs?“ – Mit dieser Frage beginnen seit mehr als 10 Jahren die Auftritte von Molly Alone.
Molly Alone, das sind Robert „The Bruce“ und Andreas „Sir Andrew“
Hoffmann. Auf ihren vielen Reisen auf die britischen Inseln habe n die
beiden Brüder ihre Liebe zur irischen und schottischen Kultur und
Lebensart entdeckt – und die Leidenschaft für die Musik, die zu einem
Irish Pub gehört , wie ein frisch gezapftes Guinness oder ein guter
Whisk(e)y.
Heute noch in Dublins weltbekanntem
Kneipenviertel Temole Bar, verwandeln sie vielleicht schon morgen Deine
Stammkneipe in einen typischen Irish Pub.
Molly Alone spielen Songs
von übermütiger Lebenslust und unbändiger Lebensfreude – aber mitunter
auch von berauschender Traurigkeit und Melancholie, handgemacht und
authentisch in der Darbietung.
Mit viel Witz, Charme und Spontanität
verstehen es die beiden erfahrenen Musiker, ihrem Publikum ein paar
stimmungsvolle und unvergessliche Stunden zu bereiten. Übrigens, die
Musik von Molly Alone gibt es auch in Kombination mit einem leckeren
Whisk(e)y-Tasting oder –ausschank in vielen Variationen. Hier ist unser Livevideo der Band mit dem Song "West Doing Home".
Dass der Künstler jeden im Publikum
persönlich per Handschlag begrüßt, ist bei Konzerten eher selten. Doch
freute sich Uwe Schatter so sehr über die Zuhörer, dass er sich diese
Geste nicht nehmen lassen wollte. Rund 30 Gäste hatten am Donnerstag den
Weg in die „Dusch‘“ gefunden, viele davon Freunde und (ehemalige)
Schüler von Schatter, der im Hauptberuf Musiklehrer ist.
Wenn Indiana Jones Musik machen würde,
würde er wie Schatter klingen, könnte man nach den gut 90 Konzertminuten
festhalten. Klare, nachdenkliche Melodien, deutsches Liedgut mit Folk-
und Countryeinflüssen gemischt, ähnelten Schatters Lieder mitunter eher
Reiseberichten, etwa von Besuchen im australischen Outback und
Begegnungen mit den Aborigines.
„Let the sun shine“, lautete ein
Liedtitel, versehen mit dem Nachsatz „in der Dusch‘“. Eine gelungene
Hommage an den Striedkultklub, mit dessen Mitgliedern Schatter schon
seit einigen Jahren befreundet ist. „Kennt ihr schon die Geschichte von
dem Wombat und dem Emu?“, fragte der Musiker sein Publikum kurz darauf.
Eigentlich, so Schatter, erzähle man sich in Australien, dass sich die
beiden nicht verstehen, aber er persönlich glaube nicht daran. Und so
schrieb er ein Lied über eine recht ungewöhnliche Tierfreundschaft und
zeigte damit zugleich, wo er die Inspiration für seine Lieder findet;
direkt im eigenen Leben.
Natürlich hatte er auch dem Schlapphut ein
eigenes Lied gewidmet. Bis in die neunziger Jahre hinein sei er
eigentlich kein großer Hutträger gewesen, gab Schatter zu. Durch einen
seiner australischen Freunde sei er dann auf den Hut gekommen, „und
inzwischen erkennt mich kaum noch jemand, wenn ich ohne Hut spazieren
gehe“. So berichtete das Lied von einer anderen ungewöhnlichen
Freundschaft, der zwischen Uwe und seinem Hut. Als wollte sich dieser
selbst beim Publikum bedanken, fiel er herunter, als sich Schatter am
Ende des Songs verbeugte.
Beim vorletzten Konzert 2014 traten jetzt die Musikgruppen
„Capodesaster“ und „The Hellectric Circus“ vor rund 30 Zuhörern in der
ehemaligen Nasszelle des Bürgerhauses auf.
Im Gegensatz zum eher dürftig besuchten
Konzert vier Wochen zuvor war im „Club“, so der zweite Spitzname der
„Dusch“, diesmal kaum noch ein freier Platz zu finden. „Schön kuschelig
hier“, befand auch Jugendpfleger Kai Faßnacht, der sich wie der Rest des
SKK-Teams über die vielen Gäste sichtlich freute.
Mit dem multihessischen Trio
„Capodesaster“ – von Rüsselsheim bis „übern Rhein“ – hatte das Team
erneut einen musikalischen Glücksgriff gelandet. Sie spielten eingängige
Rock- und Popcover aus den Hitparaden von einst und heute, von Phil
Collins bis zu den „Kings of Leon“ – natürlich „unplugged“ – unverstärkt
und akustisch. Wobei Ersteres nicht völlig zutraf, das Mikrofon hatte
sich Sängerin Ari nicht nehmen lassen, was der gemütlichen-familiären
Stimmung des Konzerts jedoch keinen Abbruch tat.
Zur Feierabendstimmung trug auch die
geschickte Songauswahl der Band bei, die unter dem bezeichnenden Motto
„Die Wurzel der Songs entdecken und neu interpretieren“ stand. Damit
bewies die Gruppe zudem eindrucksvoll, dass sich jedes Lied akustisch
spielen lässt.
Rauer, härter und vor allem lauter wurde
es im Anschluss beim Auftritt des Southern-Rock-Quartetts „The
Hellectric Circus“. „Hellectric Rock“ – sinngemäß übersetzt mit höllisch
(guter) Rock – hatte die Gruppe ihren Musikstil getauft und unterhielt
das Publikum im Anschluss noch eine gute Stunde mit einem Mix aus
Hard-Rock-Covern und eigenen Stücken.
Die vier Musiker hatten dabei dermaßen
viel Spaß auf der Bühne, dass es mitunter so schien, als würden sie gar
nicht mehr herunterwollen. Nach gefühlten zehn Zugaben verließ das
Quartett schließlich unter tosendem Applaus die Bühne. „Wir kommen gern
wieder“, betonten beide Bands unisono, vielleicht in einer anderen
Formation, vielleicht mit anderen Liedern, auf jeden Fall „haben wir
Bock zu spielen“.
Einen Auftritt wie den jüngsten gab es
im Striedkultklub (SKK) noch nicht. Beim ersten Konzert nach der
Sommerpause trat das Elektronik-Duo Messer Brüder in der ehemaligen
Dusch des Wolfskehler Bürgerhauses auf. Unterstützt wurden die
Darmstädter dabei vom Riedstädter DJ-Duo Hahn & Suhr.
Die beiden Musiker Florian Malicke und
Thomas Buchenauer als Elektronik-Duo zu bezeichnen, ist allerdings nur
die allgemeinste aller möglichen musikalischen Einordnungen. Anhänger
der Neuen Deutschen Welle duften sich an Kraftwerk erinnert fühlen, aber
auch Einflüsse der Doors waren unverkennbar. Einzelne Gitarrenriffs
schwirrten fragmentarisch in den Tracks umher, begleitet von
Versatzstücken elektronischer Popmusik.
Der Klangteppich, den die Messer Brüder
im Lauf des Konzerts entfalteten, wirkte dennoch in sich stimmig und
harmonisch – jeder Track ein kleines Theaterstück. Vielleicht wäre ein
Hörspiel aber die bessere Analogie. Orson Welles wäre gewiss stolz auf
die „Brüder“, die während des gesamten Konzerts fast ohne Gesangsparts
auskamen. Kurz eingespielte Passagen auf Finnisch einmal ausgenommen.
„Wenn uns das mal einer übersetzen könnte, wären wir euch sehr dankbar“,
merkte Florian Malicke selbstironisch an.
Zurückgekehrt von der musikalischen
Zeitreise in das letzte Drittel des 20. Jahrhunderts übernahmen dann
Hahn & Suhr aus Goddelau das Mischpult und bestritten den zweiten
Teil des Abends. Den cineastisch-transzendentalen Synthieklängen setzten
sie tanzbaren Elektro und House entgegen. Eine weitere Premiere in der
Dusch: Ein DJ hatte im „Club“ zuvor noch nie aufgelegt.
Trotz dieser beiden Premieren fanden
sich – wie so oft – bis auf einige Stammgäste keine anderen Besucher im
Wolfskehler Jugendhaus ein. Konzerte, wie sie der Striedkultklub
anbietet, scheinen in Riedstadt keinen großen Stellenwert zu haben.
Flyer, Plakatwerbung, Einladungen in den sozialen Netzwerken und
Mundpropaganda.